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Orff-Schulwerk

Jugendmusik

Die Weihnachtsgeschichte

 

Für den Bayerischen Rundfunk geschrieben, von Kindern gesungen und dargestellt. Zum ersten Male gesendet: Weihnachten 1948

 

Verfasser: Carl Orff (Text), Gunild Keetman (Musik)

Besetzung: Kinderchor (SMezA) mit Soli, Sprecher und Instrumenten

Sprache: deutsch (Bearbeitungen auch fläm., plattdt., rheinhess., schwäb., bayr. und schwed.)

Entstehungszeit: 1948

Publikationsjahr: 1952 (Neuausgabe 1980, Schott ED 3565)

Uraufführung (Erstsendung): 24. Dezember 1948 im Bayerischen Rundfunk München (Deutschland) · Dirigent: Karl List · Regie: Carl Orff

Aufführungsdauer: 30′

Besetzung detailliert
Personenen: Sprecher – Drei Hirten – Der Engel – Maria und Josef – Kinderchor (SMezA) – Soli

Ensemble: Blockflöten ( 2 Diskant f‘‘, 3 Sopran c‘‘, 2 Alt f‘, Tenor c, Bass f) – P. S. (3 Sop.–Glspl. · 4 Alt-Glspl. · Sop.-Xyl. · Alt-Xyl. · Cymb. · Beck. · Trgl. · Schellen · Schellentr. · Tomt. · gr. Tr.) (14 Spieler) – Git. · Laute – 3 Gamben · Vc. · Kb.

 

Aufführungsmaterial Schott Music

Werkteile / Gliederung
1. Einleitung
2. Tranquillo, sempre molto rubato, quasi improvisamente
3. Pastorale
4. [ohne Bezeichnung]
5. Gloria
6. [ohne Bezeichnung]
7. Marsch der Hirten
8. Vor der Krippe
9. Benedicamus
10. Kindelwiegen
11a. Marsch der Heiligen Drei Könige
11b. [ohne Bezeichnung]
12a. Rverenz
12b. Der Mohr
12c. Die ganz große Reverenz
12d. Abzug der Heiligen Drei Könige
13. Dormi Jesu
14. Gloria
Inhalt
Nahe Bethlehem kauern drei Hirten am Lagerfeuer. Zwar grübeln sie, warum in dieser bitterkalten Nacht die Schafe und Hütehunde so gar nicht zur Ruhe kommen wollen, aber noch ehe die drei sich weitere Gedanken darüber machen können, schlummern sie auch schon ein. Da, ein eigentümlich schwebender Ton, ein überirdisches Leuchten: In himmlischer Gloriole steht plötzlich ein Engel vor ihnen. Zur nämlichen Stunde sei in Betlehem der Erlöser der Welt geboren, verkündet der Cherub den Aufgeschreckten; und dieser Erlöser liege nun als kleines Kind in einer Futterkrippe. Tausende von Engeln, die plötzlich am Himmel flirren, bestätigen mit rauschenden Gloria-Rufen die Nachricht des Gottesboten.

Eilends raffen die Hirten ein paar Geschenke zusammen und brechen auf, das verheißene Kind zu finden. Wie vom Engel vorhergesagt, liegt es in einem Stall. Anbetend sinken die drei auf die Knie vor dem Neugeborenen, das liebevoll von seinen Eltern gewiegt wird.

Erneut seltsame Klänge: Diesmal sind es die Heiligen Drei Könige. Zu Elefant und schwerbeladen mit Geschenken ziehen sie aus dem Morgenland daher, um dem Kind ihre Verehrung darzubringen. Erstaunt wird das exotische Aussehen und Verhalten der Fremden von den Hirten beschwatzt. Dass aber das morgenländische Dreigespann nach dem Erweisen seiner Referenz gleich wieder abreist, finden die Hirten dann doch unerhört: Man hatte von königlicher Seite wirklich mehr Hilfe für die arme dreiköpfige Familie erwartet! Aber wie ein Hirt erklärt: Das scheint nicht Gottes Wille zu sein.

Und so fügen sich die Schäfer in das gottgegebene Schicksal des Neugeborenen, lauschen dem sanften Schlummerlied der vielköpfigen Engelsschar und werden zuletzt vom erneuten Aufbrausen des himmlischen Gloria mitgerissen.

Kommentar
Nach den ersten, überaus erfolgreichen Rundfunksendungen zur musikalischen Früherziehung wurde im September 1948 an Orff der Wunsch herangetragen, für den kommenden Dezember ein Weihnachtsspiel zu entwerfen. Es sollte Kindern zugedacht und von diesen auch gespielt werden. In Anbetracht der Kürze der Zeit wandte sich der Komponist an Gunild Keetman, mit der zusammen er die Schulwerksendungen gestaltete. Innerhalb weniger Tage entwarf Orff den Text und Keetman komponierte die Musik.

Bei der Stückgestaltung half Orff die Tatsache, dass ihm urwüchsige alpenländische Krippen und Krippenspiele seit frühester Jugend vertraut waren, ja dass er sich solche bereits als kleiner Junge leidenschaftlich gebastelt und ausgedacht hatte. Aufgrund dieser biografischen Prägung konnte sich Orff das Krippenspiel gar nicht anders als in bayerischer Landschaft und Mundart vorstellen. Überdies war durch den kraftvollen bayerischen Dialekt ein Abrutschen des Stücks in peinliche Sentimentalität von vornherein ausgeschlossen.

Die erstmalige Rundfunksendung des Stücks am 24. Dezember 1948 war ein solcher Erfolg, dass das kleine Werk von nun an alljährlich wiederholt wurde. Und nicht nur das: Der große Erfolg ermutigte andere Sender, Die Weihnachtsgeschichte zu übernehmen und weiterzuverbreiten. Fernerhin kam es zu zahlreichen Aufführungen an Schulen und in Kirchen – ergänzt durch zwei Fernsehinszenierungen, von denen eine auch mit Marionetten arbeitete.

In der Folge wurde das kleine Spiel in zahlreiche Sprachen und Dialekte übertragen und ging somit aus dem Bayerischen hinaus in die internationale Weihnachtswelt.

Nachweise

Textnachweis Inhalt/Kommentar:

Johannes Schindlbeck: » Die Weihnachtsgeschichte«, in: Carl Orff. Ein Führer zu den Bühnenwerken, Mainz 2015, S. 104-106.

Bildnachweis:

  • [Titelseite] Carl Orff: Orff-Schulwerk. Jugendmusik. Die Weihnachtsgeschichte. Musik: Gunild Keetman, Titelblatt, Autograph, o. D., Carl-Orff-Stiftung/Archiv: Orff-Zentrum München.
  • [Titelseite] Carl Orff (Hrsg.): Orff-Schulwerk. Jugendmusik. Die Weihnachtsgeschichte. Musik: Gunild Keetman, Mainz 1952.