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Von der Freundlichkeit der Welt

Chorsätze nach Texten von Bertolt Brecht

für gemischten Chor, drei Klaviere und Schlagwerk

 

Textdichter/-vorlage: Bertolt Brecht

Besetzung: gemischter Chor (SATB), 3 Klaviere, Schlagwerk (8 Spieler)

Sprache: deutsch, englisch

Entstehungszeit: 1930, rev. 1973

Uraufführung: 19. März 1979 Leipzig (D)

Aufführungsdauer: 6′

 

Der Chorsatz Von der Freundlichkeit der Welt ist Teil der Kantaten nach Texten von Bert Brecht

Besetzung detailliert
Sänger: Chor (SATB)

Instrumente: 2-3 Klaviere, 4-hdg., 4 Pauken

Schlagwerk: Messklingeln · Röhrenglocken · Glockenspiel · Bassxylophon · Marimbaphon · Xylophon · kleine Trommel mit und ohne Schnarrseite · große Trommel · Becken auf großer Trommel · 3 Becken (8 Spieler)

 

Aufführungsmaterial Schott Music

Inhalt
1. Von der Freundlichkeit der Welt

2. Großer Dankchoral

3. Gegen Verführung

Die Chorsätze sind auch einzeln aufführbar.

Kommentar
Von der Freundlichkeit der Welt

Das Titelstück verbindet einstimmigen Textvortrag mit einer instrumentalen Drehformel in spröden Quartengängen über einer gegenläufigen Tenorführung. Die grundierende Dudelsackquint auf G ist so zu einem einfach schweifenden Bordun variiert. Es entsteht – trotz der chorischen Besetzung – der Eindruck einer Musette, von einem Bänkelsänger im Leierton einer Moritat vorgetragen. Auch das substanzgleiche Vor- und Nachspiel weist auf den Leierkastenton.

 

Großer Dankchoral

In der Choralparodie fällt dem Musiker – wie auch im Schlußstück – das Umsteigen in den »niederen Stil« offenbar schwerer. Über einem oktavierten Orgelpunkt auf G ist der Text für drei Stimmgruppierungen in durchgehenden Halben notiert. Nur das »Kommet zuhauf« ist zu ganzen Notenwerten verbreitert. Es parodiert nicht nur »wörtlich« die textgleiche Stelle des Chorals, sondern bildet auch die Initiale und die Markierung zwischen den Strophen. Der Chorsatz ist durch knirschende Spalt- und Reibeklänge charakterisiert.

 

Gegen Verführung

Brecht hatte in seiner »Anleitung zum Gebrauch« der »Hauspostille« empfohlen, »jede Lektüre … mit dem Schlußkapitel zu beschließen«. Orff beginnt das »Schlußkapitel« mit der gleichen melischen Formel wie das Eingangsstück, ändert diese dann freilich unter dem Diktat des andersgearteten Versbaues durch Einfügen einer charakterisierenden Synkope im zweiten Takt in Richtung auf den Song Stil.

Die Musette Quint steht jetzt auf C. Damit wird nicht nur ein verbindender Quintbogen vom ersten zum letzten Teil geschlossen, sondern auch die modale Färbung eines im ersten Teil anklingenden g Phrygisch nach c Moll hin aufgehoben.

In die gleiche Richtung weist auch die skizzierte Großgliederung des Schlußstückes. Jede Strophe sollte zweimal vorgetragen werden, bei der Wiederholung aber in die Oberquart hochgerückt, wozu der Instrumentalsatz reicher ausgebaut ist. In der Particell Skizze ist die Wiederholung ohne Text notiert, die Ausführung durch den Chor ist aber durch die getrennt aufgeschriebene Melodiezeile weiter ausgewiesen. Der Diskant des Bläsersatzes läuft unisono mit der Singstimme.

So entsteht eine Art Finale einer zyklischen Anlage. Der Aufbau ist von der Sprachform der drei Stücke her vorgezeichnet. Das erste ist rein konstatierend; es hat im Sinne Brechts »Mitteilungscharakter« im Chanson Stil. Das zweite parodiert eine singende Kultgemeinde: Laßt uns loben! Erst das letzte Stück hat Anrufcharakter: der Adressat soll zu einer Stellungnahme provoziert werden.

So weist das Schlußstück zugleich voraus auf die zweite Dreierfolge der Chorsätze nach Brecht, die durch einen plakathaften Stil in Sprache und Musik charakterisiert sind.

Nachweise

Textnachweise Kommentar:

Werner Thomas: »Der Weg zum Werk«, in: Carl Orff (Hg.): Carl Orff und sein Werk. Dokumentation, Bd. I: Frühzeit, Tutzing 1975, S. 73-251, hier S. 214-221.

Bildnachweis:

[Titelseite] Carl Orff: Von der Freundlichkeit der Welt – Chorsätze nach Texten von Bertolt Brecht, Partiturautograph, 1930, BSB, Musikabteilung, Nachlass Carl Orff, Orff.ms.16 | © Carl-Orff-Stiftung/Archiv: Orff-Zentrum München.