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Orff-Schulwerk

Stücke für Sprechchor

 

Verfasser: Carl Orff, Vorwort von Werner Thomas

Sprache: deutsch

Publikationsjahr: 1969 (Schott ED 5583)

Besetzung: Sprechchor, Instrumentalensemble

Besetzung detailliert
Chor, Soli (SATB), Violoncello, Flöte, Pauken, Schlagwerk (Sopran-Xylophon, Alt-Xylophone, Bass-Xylophon, Schellentrommel, Kleine Trommel mit Schnarrsaite, Holzblocktrommeln, Röhrentrommel, Becken, Cymbel, Triangel, Tamtam, Rasseln, Bongos, Gläser, Stäbe)

 

Arbeitsmaterial Schott Music

Inhalt
  1. Chor aus Oedipus auf Kolonos (Sophokles – Hölderlin)
  2. Pindars Erste Olympische Hymne (Hölderlin)
  3. An den Schlaf (Sophokles Philoktetes)
  4. Aus Brod und Wein (Hölderlin)
  5. Die Jahreszeiten (Hölderlin)

Der Frühling
Der Somer
Der Herbst
Der Winter

  1. Quando conveniunt
  2. Sententia
  3. Zwei Oden von Klopstock:

Die frühen Gräber
Weihtrunk an die toten Freunde

  1. Requiem (Hebbel)
  2. Der Abend (Schiller)
  3. Omnia tempus habent
  4. Drei Stücke aus Goethes Faust:

Wie traurig steigt die unvollkommne Scheibe
Hexen-Einmal-Eins
Die grauen Weiber (mit Instrumenten)

Kommentar
Die Stücke für Sprechchor zeigen Möglichkeiten, das dichterische Wort als ein ursprünglich und wesenhaft Erklingendes zu verwirklichen. Die Sprache wird rhythmisiert oder von einem rhythmisch profilierten Klanggrund getragen. Instrumentale Impulse lösen den Ablauf aus, gliedern oder akzentuieren ihn. Die a-cappella-Anlage einer solchen Klangpartitur dürfte am schwierigsten zu realisieren sein.

Durch die Fixierung ihrer metrischen Komponenten wird die dichterische Sprache leibhaft plastisch; Klang und Sinn, Wort und Bild teilen sich als ontologische Ganzheit mit. Die Rangordnung der Sprachelemente wird klingend erfahren.

»Die Gesetze des Geistes aber seien metrisch … Nur der Geist sei Poesie, der das Geheimnis eines ihm eingeborenen Rhythmus in sich trage, und nur mit diesem Rhythmus könne er lebendig und sichtbar werden.« (Bettina von Arnim, Gespräche mit Hölderlins Freund).

Die Vergegenwärtigung des klingenden Sprachleibes aber ist ein – im weitesten Sinne gesprochen – pädagogischer Akt. Der rhythmisch-metrische Vollzug der Sprache in solistischer Rezitation oder in chorischem Klangruppensprechen bedeutet primär nicht Komposition, sondern modellhafte Interpretation. Sie wird nicht erst im Endergebnis des eingelernten Stückes fruchtbar, sondern im Arbeitsvorgang selbst. Durch die Arbeit an der erklingenden Sprache wird nicht ihre rational-dialektische Komponente in den Vordergrund gestellt, sondern ihre zeichenhafte Symbolik entbunden. Das Wortkunstwerk ist für den tätig Aufnehmenden nicht mehr Lernstoff und geschichtlich distanziertes »Sprachdenkmal«, sondern Gegenwart des Geistes im Hier und Jetzt des Vollzuges. Es entsteht eine spontan-unmittelbare Beziehung von bleibender Integrationskraft.

Die Einrichtung für Sprechchor stellt eine Endform vor der Musikalisierung dar, gleichsam eine Komposition ohne Töne. Von dieser Erkenntnis her ist die Arbeit an der Dichtung und ihre Wiedergabe anzulegen. Entsprechend den Texten kann kleines Ensemble (kammermusikalisch-solistisch) wie auch große Besetzung, einfach- und doppelchörig, verwendet werden. Klangmodelle finden sich auf den Musica-poetica­Platten der harmonia mundi, insbesondere auf Platte 10 (HMS 30 659).

Nachweise

Textnachweis Kommentar:

Werner Thomas: Einführung, in: Carl Orff (Hg.): Orff-Schulwerk. Stücke für Sprechchor, ED 5583, Mainz 1969, S. 2.

Bildnachweis:

[Titelblatt] Carl Orff: Orff-Schulwerk. Stücke für Sprechchor, Mainz u. a. 1969.