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Märchenstücke

 

Besetzung: Schauspieler, Solisten, Chor, Orchester, Tonbandeinspielung (ad. lib.)

Sprache: deutsch, englisch

Entstehungszeit: 1917–1971

Werkteile / Gliederung

Zur Werkgruppe der Märchenstücke zählen folgende Kompositionen:

1. Der Mond – Ein kleines Welttheater (1938/1971)

2. Die Kluge – Die Geschichte von dem König und der klugen Frau (1942)

3. Ein Sommernachtstraum – Schauspiel von William Shakespeare (1917–1962)

Die Märchenstücke sind als thematische Gruppierung ohne hierarchische Ebene zu verstehen. Sie bilden keine Einzelteile eines Gesamtwerks. Alle Werke sind einzeln aufführbar. Obgleich sich eine Aufführung im Verbund anbietet, bestehen keine Vorgaben zur Aufführung in zyklischer Form oder in einer bestimmten Reihenfolge.

Kommentar

Über den Einfluss von Shakespeare auf sein eigenes Werk schrieb Orff: »Vom abendländischen Theater hat nichts so stark auf mich gewirkt wie die griechischen Tragiker und Shakespeare. Beide haben mich ein Leben lang begleitet und zur künstlerischen Auseinandersetzung gereizt. Meine periodisch wiederkehrende Beschäftigung mit Shakespeare hat auf die meisten meiner Werke ihren Einfluß gehabt, auch wenn ich nur eines seiner Stücke – den ›Sommernachtstraum‹ – mit Musik versehen habe. Nicht nur meine Vorliebe für die Simultanbühne, auch die vier Burschen aus dem ›Mond‹, die drei Strolche mit ihrem Rüpelspiel aus der ›Klugen‹ […], sie alle sind ohne Shakespeare nicht denkbar.« (Orff 1979, 219).

Alle drei von Carl Orff selbst als Märchenstücke zusammengefassten Werke basieren auf überlieferten Märchen oder märchen- und mythenhaften Stoffen. Obgleich die Stücke, anders als etwa die Lamenti oder die Trionfi, letztlich kein zusammenhängendes Tryptichon bilden, so gehören zumindest Der Mond und Die Kluge doch »innerlich zusammen« (Jans 1994, 5). Beide Stücke basieren auf Erzählungen, die sich unter anderem in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm wiederfinden. Beide Stücke entwuchsen Orffs Intention einer »szenischen Musikalisierung der Gattung Märchen […]. Das entspricht seinem zyklischen Denken; es entspricht aber zugleich dem Instinkt des Szenikers und Theaterpraktikers, in einer Kontrastharmonie dem kosmischen ›Mythenabkömmling‹ Mond ein Schwankmärchen, eine Geschichte, […] von lauter Lebendigen gespielt (Orff), an einem Theaterabend zur Seite zu stellen.« (Thomas 1994, 78). Die Entstehungsgeschichte dieser beiden Stücke zeigt sich als »symptomatischer Prozeß für die radikale Lösung von der Oper und die Neukreation des Märches zu einer eigenständigen Gattung des Musiktheaters. Sie ist aber auch paradigmatisch für die Wegsuche des Künstlers und des Menschen Orff. Diese Schaffensphase bedeutet das Vermessen und Ausleuchten der Theaterlandschaft nach Maßgabe seiner szenischen Imagination und das Ausloten ihrer Tiefe.« (Thomas 1994, 169 f.).

Nachweise

Textnachweise Kommentar:

  • Carl Orff (Hrsg.): Carl Orff und sein Werk. Dokumentation. Bd. V: Märchenstücke, Tutzing 1979.
  • Hans Jörg Jans: »Vorwort«, in: Thomas 1994.
  • Werner Thomas: Orffs Märchenstücke: Der Mond – Die Kluge, Mainz 1994.

Bildnachweis:

Alfred Siercke: Bühnenbildentwurf zu Carl Orffs Der Mond, Hamburg, Staatsoper, 1950, Carl-Orff-Stiftung/Archiv: Orff-Zentrum München.