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Orff-Schulwerk

Jugendmusik

Einzug und Reigen

 

Verfasser: Gunild Keetman

Kompositionsjahr: 1935

Publikationsjahr: 1952 (Schott ED 3564)

Besetzung: Blockflöten, Gitarren, Violoncello, Kontrabass, Schlagwerk

 

Siehe auch:
Olympische Reigen (1936, ED 2564)
Einzug und Reigen (Telefunken ‎– E 2032)

Besetzung detailliert
Blockflöten (SSSAATB), 2 Glockenspiele, 2 Sopran-Xylophone, 2 Alt-Xylophone, 1 Tenor-Xylophon, Schellentrommel, Triangel, Becken, 3 kleine Pauken, Gitarren, Violoncello, Kontrabass

 

Arbeitsmaterial Schott Music (ED 3564)

Inhalt
Einzug

Reigen

Kommentar

In diesem Band wurde eine überarbeitete Fassung der, entgegen der allenthalben öffentlichen Darstellung, nicht von Carl Orff, sondern von Gunild Keetman stammenden Komposition Einzug und Reigen der Mädchen aus dem Jahr 1935 veröffentlicht. Das Stück kam 1936 anlässlich der Eröffnung der XI. Olympiade in Berlin zur Uraufführung und wurde noch im gleichen Jahr, zusammen mit dem Einzug und Reigen der Kinder, als Partitur-Auszug in einem Heft bei Schott veröffentlicht. Das Heft erschien damals allerdings, jedenfalls nominell, nicht als Bestandteil der Veröffentlichungsreihe zur ersten Schulwerk-Fassung Elementare Musikübung. Dorothee Günther, die, zusammen mit Maja Lex, die choreographische Gestaltung der Olympia-Aufführung entwarf, veröffentlichte 1936 beim Verlag Limpert in Berlin zwei Bände mit Beschreibungen und Aufführungsanweisungen dazu (siehe Günther, Kinder-Reigen und Günther, Mädchen-Reigen, beide o. D. [1936]). Ferner erschien 1936 bei Telefunken eine Tonaufnahme der Musik in Originalbesetzung auf Schellackplatte (E 2032).

Näheren Aufschluss zu Keetmans Rolle im Kontext der Olympischen Spiele 1936 gibt ein Beitrag von Minna Ronnefeld:

»1934 wurde Orff von Carl Diem, dem Generaldirektor und Organisator der Olympischen Spiele 1936 in Berlin, aufgefordert, die musikalische Gestaltung eines Teils der Eröffnung zu übernehmen, nämlich den Einzug und Reigen der Kinder und Mädchen. Orff hatte anfangs Bedenken: ›Erst nachdem mir Diem versicherte, daß es sich bei dem Festspiel um ein internationales olympisches Ereignis handle, das keinerlei politische Akzente erlaube, sagte ich zu, sofern ich den Auftrag direkt vom Olympischen Komitee erhalten würde.‹ Dass es Orff reizte, die Schulwerk-Arbeit einem internationalen Publikum vorstellen zu können, ist verständlich; dass er aber dabei übersah, dass sein Mitwirken als Zeichen von Akzeptanz oder auch Indifferenz gegenüber dem Naziregime interpretiert werden könnte, ist verwunderlich.

Orff sagte zu, reichte aber die Aufgabe an Keetman weiter. Er kommentiert: ›Ich hatte Keetman, die an der Entstehung der Musik mitbeteiligt war, die gesamte Einstudierung und Leitung der Aufführung im Stadion übertragen.‹ Im Programmheft der Olympischen Spiele 1936 erwähnt Orff ›[ … ] Gunild Keetman, die am Ausbau der Musiken hervorragenden Anteil hat [ … ].‹ Auf Programmzetteln sowie in Rezensionen und Zeitschriftenartikeln wurde aber ausnahmslos Orff als Urheber der so genannten Olympischen Reigen genannt, ebenso auf der damals von Telefunken produzierten Schallplatte. Bei Schott erschien ein Auszug der Partitur unter dem Titel Olympische Reigen von Carl Orff. Ausgabe für zwei und mehr Instrumente von Gunild Keetman. Diese Aussagen bedürfen allerdings einer Korrektur. Dem Musikwissenschaftler Joachim Dorfmüller hat Keetman nämlich folgende Feststellung als zutreffend schriftlich bestätigt: ›Für den Einzug und Reigen der Kinder und Mädchen in das Berliner Olympiastadion komponierte die 1904 in Elberfeld geborene Gunild Keetman eine Musik, die vor 100.000 Zuhörern uraufgeführt wurde.‹ Diese Darstellung zur Autorschaft am Olympischen Reigen, die natürlich eine gemeinsame Vorplanung keineswegs ausschließt, war mir aus persönlichen Gesprächen mit Keetman bereits bekannt. Gemeinsame Arbeitsprozesse waren durchaus typisch für Orff und Keetman. [Alle Hervorhebungen im Original]«

Weitere Informationen dazu liefert auch Claudia Friedel im Abschnitt »Gunild Keetman – Die Frau hinter … –« (S. 340–352) ihrer Publikation Komponierende Frauen im Dritten Reich (Münster/Hamburg 1995).

Nachweise

Textnachweise Kommentar:

  • Claudia Friedel: Komponierende Frauen im Dritten Reich. Versuch einer Rekonstruktion von Lebensrealität und herrschendem Frauenbild (= Frauenforschung interdisziplinär. Historische Zugänge zu Biographie und Lebendwelt, Bd. 2), Münster/Hamburg 1995.
  • Dorothee Günther (Hrsg.): Kinder-Reigen für 9-12jährige Mädchen. Entworfen für das Eröffnungsfestspiel der XI. Olympiade Berlin 1936 von Dorothee Günther und Maja Lex mit Musik von Carl Orff. Herausgegeben mit Zeichnungen von Dorothee Günther, Berlin o. D. [1936].
  • Dorothee Günther (Hrsg.): Mädchen-Reigen. Ein Gemeinschaftstanz, entworfen für das Festspiel ›Olympische Jugend‹ der XI. Olympiade Berlin 1936 von Dorothee Günther und Maja Lex mit Musik von Carl Orff. Herausgegeben mit Zeichnungen von Dorothee Günther, Berlin o. D. [1936].
  • Carl Orff (Hrsg.): Olympische Reigen von Carl Orff. Ausgabe für zwei und mehr Instrumente von Gunild Keetman. Partitur-Auszug, Mainz/Leipzig 1936.
  • Minna Ronnefeld: »Gunild Keetman – Pädagogin und Komponistin«, in: Elementarer Tanz – Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944, hrsg. v. Michael Kugler, Mainz u. a. 2002, S. 95–108, hier S. 104 f.

 

Bildnachweis:

[Titelseite] N. N. (Hrsg.): Orff-Schulwerk. Jugendmusik. Einzug und Reigen, Mainz 1952.