Das Orff-Zentrum München ist vorerst bis zum 07.03.2021 geschlossen.

+49 89 288 105 0

Rufen Sie uns an

Logo Orff-Zentrum München

Mo-Fr: 9 bis 17 Uhr

Wochenende geschlossen

a

Eliland

Ein Sang vom Chiemsee
aus dem Hochlandsliedern von Karl Stieler
für eine mittlere Singstimme mit Begleitung des Pianoforte
Op. 12

 

Textdichter/-vorlage: Karl Stieler

Besetzung: Singstimme, Piano

Sprache: deutsch

Entstehungszeit: 1911

Erste Aufführung: um 1912, München (halböffentl. im Familien- und Freundeskreis Orffs)

Publikationsjahr: 1912 (Ernst Germann & Co., München/Leipzig)

 

Diese Edition ist nur noch antiquarisch erhältlich.

Werkteile / Gliederung

Eliland

Stilles Leid

Frauenwörth

Rosenzweige

Heimliche Grüße

Wanderträume

Am Strande

Kinderstimmen

Mondnacht

Anathema

Ergebung

Kommentar

Eliand, ein Sang vom Chiemsee aus den »Hochlandliedern« von Karl Stieler, op. 12, erinnert in der Einheitlichkeit der Texte und der Ungebrochenheit des Angehens – das Manuskript zeigt keinerlei Korrekturen! – an den Zyklus der Uhlandschen Frühlingslieder. Die Gedichtfolge erzählt von der Liebe Elilands, des Mönchs, zur Nonne Irmingard:

Stilles Leid
Frauenwörth
Rosenzweige
Heimliche Grüße
Am Strande
Kinderstimmen
Mondnacht
Wanderträume
Anathema
Ergebung.

Die zehn Lieder, von einem Vor- und Nachspiel für Klavier umrahmt, sind innerhalb weniger Tage Ende September 1911 entstanden und 1912 bei Ernst Germann, einem Nachfolger des Münchener Musikverlages Joseph Aibl, als erstes Werk Orffs im Druck erschienen.

Die Gedichte, 1879 veröffentlicht und von den Zeitgenossen offenbar über Jahrzehnte hin bewundert und geliebt, sind keineswegs von hohem Rang. Der junge Musiker scheint aber den atmosphärisch eigenen Ton des Dichters gespürt zu haben. Man würde dieser Landschaftskunst des Voralpenraumes mit seiner unverwechselbaren geographischen und geschichtlichen Prägung nicht gerecht, wenn man darin nur die Idyllik eines Provinzbilderbuches sehen wollte. Sie steht, freilich epigonal, in der Tradition der großen malerischen und dichterischen Landschaftskunst des frühen 19. Jahrhunderts. Der Vater Josef (1842–1885) des in München geborenen Dichters Karl Stieler hatte als bayerischer Hofmaler die berühmte Schönheitsgalerie für Ludwig I. geschaffen. Sie hat bei der Wortkunst des Sohnes wohl ebenso Patenschaft geleistet wie die Sonntagslandschaften bayerischer Seen von Wilhelm von Kobell.

Auch in Orffs Vertonung der Stielerschen Gedichte spielt die heimische Landschaft heimlich mit. Man kann Orffs Stil nicht deutlicher beleuchten als da, wo andere die gleichen Texte komponiert haben.

1902 hatte Alexander von Fielitz (1860–1930) den Eliland‑Zyklus vertont (erschienen in der Universal‑Edition). Die Lieder sind gekonnt, einheitlich, auf den Hörer gezielt, glatt, stimmungshaft, konventionell. Orffs Zyklus ist spontan voller Spannungen, vor sich hin gesungen, kantig, expressiv, unkonventionell. Es ist erlebte Musik; nichts von lieblicher oder tragikverzierter Genrekunst. Der junge Orff, ungebremst engagiert, überfährt die Texte in einem großatmigen Rezitativstil. Sein leidenschaftliches Dreinfahren weiß wenig oder nichts von den Regeln der Satzkunst und setzt sich über die musikalische Orthographie rücksichtslos hinweg. Verwegene Notationen werden riskiert. Die gewählte Tonart wird mitten in einer Phrase nach Maßgabe des gewollten Ausdrucks unbefangen durch eine andere abgelöst. Nur drei von den zehn Liedern schließen in der Tonart des Anfangs.

Orff vertont nicht eigentlich den Text, sondern läßt den Sänger rezitieren und musiziert auf große Strecken über den Text hinweg. Er setzt den Eindruck, den der Text auf ihn macht, in kurzen, wechselnden Phasen in ausdrucksgeladene, bisweilen überfrachtete Klänge um und sucht den Hörer in diese subjektive »Kommentierung« einzubeziehen. Aufwühlender Impetus und kontemplative Lyrismen wechseln so in harter Fügung miteinander. Diese Art des Musizierens verliert ihren Sinn, wenn das Wort fehlt. So bleibt es im Vor- und Nachspiel des Klaviers bei unverbindlichen Bruchstücken von Impressionen. Orff hält diesen auf den Rat von Freunden hinzukomponierten Rahmen stilistisch für verfehlt. Man kann ihm nur zustimmen.

Nachweise

Textnachweis Kommentar:

Werner Thomas: »Der Weg zum Werk«, in: Carl Orff (Hg.): Carl Orff und sein Werk. Dokumentation, Bd. I: Frühzeit, Tutzing 1975, S. 73-251, hier S. 83 f.

Bildnachweis:

[Titelblatt] Carl Orff: Eliland. Ein Sang vom Chiemsee, Op. 12, Partitur Nr. 661, München/Leipzig 1912.