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Thomas Rösch: »Leo Kestenberg und Carl Orff«, in: Vom Ersten Internationalen Kongress der Gesellschaft für Musikerziehung in Prag 1936 bis 2016. Ein Beitrag zum Diskurs über ›cultural heritage‹. Kongressbericht Würzburg 2016, hrsg. v. Friedhelm Brusniak und Damien Sagrillo (= Würzburger Hefte zur Musikpädagogik, Bd. 9, hrsg. v. Friedhelm Brusniak), Weikersheim 2018, S. 37–63; 308 S., Abb., Nb., ISBN 987-3-8236-1718-1; 35 €.

Trotz nur weniger persönlicher Begegnungen und erhalten gebliebener Korrespondenz lässt sich dennoch ein erstaunlich weitreichender Einfluss Leo Kestenbergs auf das Schulwerk von Carl Orff verzeichnen. Erstmals persönlich kennengelernt hatten sich die beiden Männer anlässlich eines »Orff-Schulwerk«-Kurses im August 1932 in Berlin. Kestenbergs Bewunderung für die pädagogische Arbeit Orffs führte zu weiteren Einladungen nach Berlin zu Kursen u. a. zur Lehrerfortbildung und zum Unterrichten von Kindern. Die Hoffnung Kestenbergs auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Orff und der Günther-Schule wurde durch den Antritt der nationalsozialistischen Machthaber zunichte gemacht.
Nach Kriegsende wirkte sich der Einfluss Kestenbergs auf Orffs Neukonzeption des Schulwerks unter dem Titel Musik für Kinder erst richtig aus. Mühelos lassen sich zahlreiche Verbindungslinien zu zentralen Reformideen Kestenbergs ziehen, so etwa zur Rolle der Sprache als Vermittlungsmedium von Bildung; zur Bewegungserziehung durch rhythmische Gymnastik; zur Anregung des Spieltriebs und der Fantasie durch Improvisation; zum Selbstbau von Instrumenten; zu methodisch aufgebauten Publikationen als Unterrichtsmaterialien; zur Lehrerfortbildung; und schließlich zur Nutzung des Rundfunks für pädagogische Zwecke. Darüber hinaus gelang es dem Komponisten mit der Gründung des Orff-Instituts am Mozarteum in Salzburg, einen langgehegten Plan Kestenbergs zur Errichtung einer »Musikpädagogischen Akademie« als Ausbildungsstätte für geeignete Fachlehrer auf seine eigene Weise zu verwirklichen.

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Sibylle Köllinger: Gertrud Orff-Willert. Das musikpädagogische und musiktherapeutische Werk, Mainz 2018, 408 S., Abb., Nb., ISBN: 978-3-95983-132-1; 39,99 €.

Diese Dissertation befasst sich mit der Biographie und dem Werk der Musikpädagogin und Musiktherapeutin Gertrud Orff-Willert (1914–2000). Orff-Willert, die zweite Frau des Komponisten Carl Orff, ist an der Entstehung und weltweiten Verbreitung des Orff-Schulwerks maßgeblich beteiligt, steht vor allem während der Ehe im Schatten ihres berühmten Mannes und kann sich erst nach der Scheidung von ihm emanzipieren. Sie widmet sich kompositorischen Studien und ist vielfach lehrend tätig. Mit Unterstützung des Kinderarztes Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Theodor Hellbrügge entwickelt sie die Orff-Musiktherapie, die international bei verschieden- und mehrfachbehinderten Kindern bis heute erfolgreich angewendet wird. Trotz ihrer außerordentlichen Verdienste ist ihr Wirken bis heute nahezu unerforscht geblieben.
Das vorliegende Buch gibt erstmals einen umfangreichen Einblick in Orff-Willerts Leben und Werk und leistet somit einen wichtigen Beitrag zur historischen Musikpädagogik.

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