Zum Carl-Orff-Jahr-2020

Interview von Nora Ollech mit Dr. Thomas Rösch

(Newsletterfeature, Juni 2019, GEMA Generaldirektion München)

Dr. Thomas Rösch

Was macht eigentlich… das Carl-Orff-Jahr?

Zum 125. Geburtstag des Komponisten Carl Orff findet 2020 ein Gedenkjahr mit vielen begleitenden Veranstaltungen statt. Wir haben Veranstalter Herrn Dr. Thomas Roesch gefragt: „Was macht eigentlich das Carl-Orff-Jahr?“:

Stellen Sie doch kurz in wenigen Sätzen das Gedenkjahr zu Ehren Carl Orffs vor. Kurzum; was macht das Carl-Orff-Jahr eigentlich?
Am 10. Juli 2020 jährt sich der Geburtstag von Carl Orff. Orff, weltweit bekannt durch seine „Carmina Burana“ und das „Schulwerk“, ist neben Richard Strauss fraglos der bedeutendste und international beliebteste bayerische Komponist des 20. Jahrhunderts. Aus diesem Anlass hat der Freistaat Bayern 2020 zum offiziellen Carl-Orff-Jahr ausgerufen. Das Orff-Zentrum München, Staatsinstitut für Forschung und Dokumentation, übernimmt die Aufgabe, alle diesbezüglichen Vorhaben zu koordinieren. In hoffentlich zahlreichen Veranstaltungen innerhalb ganz Bayerns wird es zu Aufführungen von Bühnen-, Vokal- und Instrumentalwerken, aber auch zu Bildungs- und Inklusionsprojekten kommen.
Besonders wichtig erscheint dabei, gerade die weniger gespielten Werke zur Aufführung zu bringen – aus diesem Grund werden Produktionen von „Carmina Burana“ allein auch nicht finanziell gefördert. Ebenso wichtig ist aber auch, zu zeigen, welche Bedeutung Carl Orff und seine Musik für unsere Gegenwart haben. Erinnert sei hier nur an aktuelle Theater- und Regiekonzepte, für die Orff stets offen war; an die Bezüge seiner Kompositionen zu heutiger Rap- und Hip-Hop-Musik wegen der zukunftsträchtigen Verbindung von Sprache, Klang, Bewegung und Tanz mittels Rhythmus; an die große Bedeutung des Schlagzeugs und einer elementaren Rhythmik; an seine Beschäftigung mit außereuropäischer Musik (Afrikas, Asiens, Indonesiens) und die Verwendung originaler, autochthoner Instrumente; schließlich an sein Konzept eines elementaren Musizierens für Menschen aller Altersstufen bis hin zur Musiktherapie.

Worauf dürfen wir uns besonders freuen?
Prinzipiell auf alle Aufführungen, in denen Veranstalter und Mitwirkende aus Überzeugung und mit Kreativität und Freude bei der Sache sind. Besonders gespannt sein können wir auf ein oder zwei Uraufführungen von originalen Orff-Werken. Von zentraler Wichtigkeit ist ferner ein Festakt, der im Juli 2020 im Münchner Prinzregententheater geplant ist und dessen musikalisches Programm von namhaften KünstlerInnen und Ensembles gestaltet wird. Besonders hervorheben möchte ich zudem die geplanten Aufführungen von zwei gewichtigen Spätwerken Orffs, nämlich von „De temporum fine comoedia“ im Mai 2020 in Nürnberg durch den Hans-Sachs-Chor, sowie von „Prometheus“ im August 2020 in Bayreuth im Rahmen des Festivals junger Künstler Bayreuth (das damit zugleich sein 70-jähriges Bestehen feiert). Darüber hinaus wird es mehrere Education-Projekte und wissenschaftliche Tagungen zum „Schulwerk“ geben. Das Carl-Orff-Fest Andechs & Ammersee wartet mit einem besonderen Programm auf. Und das Orff-Zentrum München schließlich beteiligt sich auch selbst mit einem internationalen wissenschaftlichen Symposium und besonderen Veranstaltungen und Publikationen am Jubiläumsjahr.

Das Carl-Orff-Jahr ist nicht zuletzt auch ein Förderungsjahr. Können Sie dazu etwas sagen? Gibt es noch Möglichkeiten, mitzumachen?
Zum Carl-Orff-Jahr 2020 wird der Freistaat Bayern über den Kulturfonds Bayern Projekte fördern. Die Kulturfonds-Förderung betrifft Konzerte, Musiktheater-Produktionen und Sonderausstellungen nichtstaatlicher Museen. Das Förderverbot für Veranstaltungen in München und Nürnberg wurde ausnahmsweise außer Kraft gesetzt; staatliche Einrichtungen sind allerdings von einer Förderung durch den Kulturfonds ausgeschlossen. Darüber hinaus wird auch die Carl-Orff-Stiftung im Rahmen ihrer Möglichkeiten Projekte unterstützen.
Selbstverständlich gibt es noch die Möglichkeit, mitzumachen. Alle Interessierten und Orff-Begeisterten sind herzlich eingeladen, sich am Carl-Orff-Jahr mit Veranstaltungen zu beteiligen. Ein ausführliches und aussagekräftiges Exposé samt (Konzert-)Programm und detailliertem Finanzierungsplan sollte bis spätestens 16. September 2019 an das Orff-Zentrum München geschickt werden. Die Anträge werden dann vom Orff-Zentrum geprüft und anschließend mit einer fachlichen Expertise an die Antragsteller zurückgesandt. Sofern eine Förderung aus dem Kulturfonds Bayern gewünscht wird, muss der Antrag schließlich allerspätestens bis zum 1. Oktober 2019 bei der zuständigen Bezirksregierung eingereicht werden.
Weitere Informationen finden hier.

Was liegt Ihnen bzw. dem Organisationsteam besonders am Herzen?
Dass das Carl-Orff-Jahr auf recht breite Resonanz stößt, indem möglichst viele Teilnehmer möglichst unterschiedliche Projekte und Veranstaltungen realisieren. Nur auf diese Weise kann dann in Erinnerung gerufen und sinnfällig demonstriert werden, wie vielfältig und facettenreich das Schaffen von Carl Orff tatsächlich ist; als wie aktuell und lebendig es sich auch gerade heute noch erweisen kann; und wie frappierend zukunftsorientiert seine künstlerischen und pädagogischen Gedanken waren.