28. Juli 2019, 11 I 15 Uhr

Zwei Filmvorführungen an einem Tag

Carl Orff — »Oedipus der Tyrann« & »Antigonae«

Trauerspiele des Sophokles von Friedrich Hölderlin

Vor 70 Jahren wurde Carl Orffs Antigonae im Rahmen der Festspiele in Salzburg, vor 60 Jahren Oedipus der Tyrann in Stuttgart uraufgeführt. Beide Sophokles-Tragödien zählen zu den erklärten Hauptwerken des Komponisten: »Die Griechendramen sind doch meine besten Sachen«. Als »Schwesterwerke« (Orff) hängen sie zudem aufs Engste miteinander zusammen – inhaltlich (Antigonae ist die »Fortsetzung« von Oedipus), sprachlich (jeweils in der deutschen Übertragung von Friedrich Hölderlin) und auch musikalisch (in Orffs ausgereiftem charakteristischem Spätstil mit großen emotionalen Höhepunkten und ungewöhnlichen Klangwirkungen).

Anlässlich des Doppeljubiläums zeigt das Orff-Zentrum München die beiden Werke aufeinanderfolgend an einem Tag. Es handelt sich um die Mitschnitte der aufsehenerregenden Inszenierung von John Dew am Staatstheater Darmstadt (Spielzeit 2006/07). Bewusste Bezugnahmen im Bühnenbild und den sehr sparsam eingesetzten Requisiten verweisen auf die Zusammengehörigkeit der beiden Tragödien: so etwa die den Hintergrund begrenzende Palastwand — im Oedipus noch unversehrt in strahlenden Goldtönen, in der Antigonae eine im Krieg zerschossene Ruine, die sich immer mehr nach vorn neigt und schließlich, in blutig-rotes Licht getaucht, die Darsteller unter sich zu begraben droht —, das Mikrofon für die Thronreden des Oedipus wie des Kreon sowie die zumeist durch Licht gestaltete Kreisform als Spielfläche, die an das Rund der Orchestra in den antiken Theatern erinnert.

Die Darmstädter Aufführungen von Carl Orffs Sophokles-Tragödien wurden zu einem überwältigenden Erfolg; sie fanden weithin große Beachtung und wurden von der Kritik bemerkenswert einhellig begrüßt. In der »Opernwelt« (02/2007) schrieb Uwe Schweikert: »Dem Regie führenden Intendanten John Dew und dem Dirigenten Stefan Blunier ist es gelungen, die Kräfte der Interpreten in einer Weise zu bündeln, die […] Bewunderung abverlangt. […] So wurden die von höchstem Respekt gegenüber Orff und dem Wort Hölderlins getragenen Aufführungen zu einem Triumph für alle Beteiligten — ein emotionales Elementarereignis. Monotonie stellte sich in keinem Augenblick ein, aber zunehmendes Staunen darüber, dass in beiden Stücken — jenseits aktueller Betroffenheit und aufklärerischer Moral — unsere Sache verhandelt wird« (Sonntag, 28.07., 11 Uhr Oedipus der Tyrann und 15 Uhr Antigonae).