Carl-Orff-Jahr in Bayern, Corona und die Folgen

»Vier Reitern, / vier grausinge Reitern / gibts da, / san abgsessn / drent hinterm Berg, / und ghoaßn sans: / D’ Pest, die giftinge Sterbsucht, / der Kriag, / der Hunger, / auf d’ Letzt, der grimm Tod. / Des san die vier Reitern, / vom Herrn selm ausgsendt, / die rastn, / drent hinterm Berg, / und wartn / auf ’s Zeichn, / und wartn / auf d’ Stund, / bis die ihna angebn werd. / Na steigns in d’ Sattl, / na sitzns auf / und reitn dahin / übers Land: / D’ Pest, / der Kriag, / der Hunger, / der Tod.«

Carl Orff: Die Bernauerin (1947), Zweiter Teil, Vierte Szene

 

Sehr geehrte Veranstalterinnen und Veranstalter, verehrte Künstlerinnen und Künstler,
liebe Orff-Enthusiasten,

es fing so positiv und vielversprechend an, das Carl-Orff-Jahr 2020, mit Aufführungen, Veranstaltungen und Projekten schon im Januar, Februar und Anfang März. Am 9. März fand als offizieller Auftakt die große Pressekonferenz im Orff-Zentrum München statt: Im Beisein des Bayerischen Staatsministers für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler wurde das Programm des ganzen Jahres, das knapp 60 verschiedene Beiträge umfasste, der Öffentlichkeit vorgestellt, musikalisch umrahmt durch das Streichquartett des Münchener Kammerorchesters (Orff: Quartettsatz in h-Moll) und Ensemblemitglieder des Staatstheaters am Gärtnerplatz (Orff: Die Kluge, Ausschnitte).

Doch dann kam Corona – die »giftinge Sterbsucht«, die Pest unserer Tage, wie sie der Mönch in der Bernauerin wortgewaltig mittels apokalyptischer Schreckensbilder in seiner Hetzpredigt als eine der schlimmsten Bedrohungen der Menschheit so eindrücklich beschreibt. Aber schon damals, in den Zeiten der wiederkehrenden Pest, ließen sich die Menschen nicht ganz entmutigen, und dementsprechend ist auch Carl Orffs gesamtes Welttheater bei aller bitteren Tragik der Lust am Leben verpflichtet und daher im Grundsatz optimistisch, wie er selbst mehrfach ausdrücklich bestätigt hat.

Verlieren deshalb auch Sie angesichts der vielen Absagen im kulturellen Bereich nicht den Mut, zumal sich bereits Anzeichen einer positiven Entwicklung abzeichnen. »Kunst ist notwendig, da sie die Not wendet«, so formulierte es August Everding einmal. Lassen Sie uns – sobald dies wieder möglich sein wird – gemeinsam mit Kunst, Musik und Theater die Not wenden, lassen Sie uns gemeinsam im Sinne Carl Orffs allen Bedrängnissen und Bedrohungen zum Trotz das Leben in all seiner Vielfalt feiern! Verschieben Sie, wenn irgend möglich, Ihre geplanten Veranstaltungen und Projekte in den Herbst/Winter 2020 oder ganz in das Jahr 2021! Feiern Sie mit uns gemeinsam den 125 + 1. Geburtstag des Komponisten, Theatermanns und Schöpfers des Schulwerks. Carl Orff, der immer auch Sinn für Ungewohntes, Ungewöhnliches, für Skurriles und Absurdes hatte, hätte sich gefreut!

Verschoben wurden bereits, um nur wenige Beispiele zu nennen, der Orff-Meisterkurs Gesang mit Petra Lang und Adrian Baianu im Orff-Zentrum München auf den 2. bis 6. Dezember 2020; der Festakt, die offizielle zentrale Veranstaltung im Prinzregententheater München unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder, auf den 13. Juni 2021; De temporum fine comoedia auf den 10. Juli 2021 (Andechs) und den 25. Juli 2021 (Nürnberg); Prometheus in Bayreuth (Festival junger Künstler) auf den August 2021.

Die gute Nachricht dabei: Alle bereits zugesagten Mittel zur finanziellen Unterstützung bleiben sowohl seitens der Carl-Orff-Stiftung als auch seitens des Freistaats Bayern bis einschließlich 2021 erhalten. Wenn also konkret ein Orff-Projekt aufgrund der Corona-Pandemie in einem kleineren Format oder zu einem anderen Zeitpunkt durchgeführt werden muss oder leider gar nicht durchgeführt werden kann, empfiehlt sich unverzüglich eine Kontaktaufnahme mit der zuständigen Stelle, das heißt der Carl-Orff-Stiftung oder der Bezirksregierung beziehungsweise dem Ministerium, bei der/dem der Förderantrag eingereicht wurde.

Bei einer Verschiebung des Veranstaltungszeitraums wird in der Regel der Bewilligungszeitraum an die neuen Gegebenheiten angepasst. Findet ein Projekt in veränderter Form statt, hat die Bewilligungsbehörde im Einzelfall zu entscheiden, ob der Zuwendungszweck (= Antragsgegenstand) dadurch noch erfüllt werden kann.

Weiterführende Informationen finden Sie unter: https://www.stmwk.bayern.de/allgemein/meldung/6461/informationen-fuer-hochschulen-und-kulturelle-einrichtungen.html#kl.

Übrigens: Für neue – bisher noch nicht gemeldete – Orff-Veranstaltungen, die 2021 zusätzlich stattfinden sollen, können gegebenenfalls für 2021 Förderanträge zu regulären Förderprogrammen gestellt werden (unter Einhaltung der jeweils geltenden Antragsfristen und Fördervoraussetzungen). Dazu gehört zum Beispiel der Kulturfonds Bayern für einmalige Sonderveranstaltungen, die Musikpflegemittel bei bestehenden Veranstaltungsreihen usw. Die jeweiligen Förderregularien (einschließlich des München- und Nürnberg-Verbots beim Kulturfonds) müssen dabei dann selbstverständlich eingehalten werden.

Ich hoffe, diese Nachrichten haben Ihnen wieder Mut gemacht und Sie bestärkt, Ihre Orff-Pläne trotz Corona weiterzuverfolgen. Bitte teilen Sie uns jede Änderung Ihrer Pläne und Projekte umgehend mit, damit wir die Homepage des Carl-Orff-Jahres (www.orffjahr2020.bayern.de) fortlaufend auf dem aktuellsten Stand halten können. Besten Dank für Ihre Hilfe!

Für Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen

Thomas Rösch