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Komponist und Kosmopolit – Carl Orff auf Reisen 
Broschüre zur Kabinettausstellung 
München 2016
36 Seiten
€ 2,- Schutzgebühr


Auf den Spuren des Komponisten Carl Orff rund um den Globus

Carl Orffs Leben ist eine Reise durch Klänge und Kulturen. Was mit dem frühen Interesse für exotische Instrumente begann, führte ihn zur Entdekkung neuartiger Klänge in fernen Ländern und
wurde schließlich zu seiner unverwechselbaren musikalischen Welt. Nach einem Besuch in Curt Sachs‘ Staatlicher Musikinstrumentensammlung Berlin notierte Orff 1923: Mir schwindelte von all dem, was er mir bei den zahllosen Instrumenten aus aller Welt und allen Epochen von „Musik und Tanz“ zu erzählen wusste. Für den Komponisten glich dieser Besuch einer Reise in fremde Lebens- und Klangwelten, die ihn von Jugend auf faszinierten: 1913 hatte Orff ein Buch über Japan bekommen; das darin aufgezeichnete Drama Die Dorfschule fesselte den Achtzehnjährigen derart, dass er binnen weniger Monate sein erstes Bühnenwerk Gisei zu Papier brachte – unter Verwendung japanischer Melodik. Ein Jahr später akzentuierte er eine Bühnenmusik mit einer chinesischen Handtrommel, und bei einer nicht ausgeführten Komposition setzte er Glasglocken und Steinspiele ein. Nach diesen frühen Klangexperimenten und -erfahrungen folgte 1926 ein Schlüsselerlebnis: Der junge Komponist bekam ein Balafon geschenkt. Stundenlang phantasierte und improvisierte ich auf dem neuen afrikanischen Xylophon. Dabei eröffnete sich mir eine neue Klangwelt, die mich faszinierte. Mit einem Schlag hatte ich das gefunden, was ich für den Ausbau meiner pädagogischen Pläne brauchte.

Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis diesen Klangreisen reale Reisen folgten. Schon 1930 unternahm der Komponist erste Fahrten nach Italien; später folgten Ziele wie Ägypten, Kanada und Japan. Seine Tochter schreibt: Mein Vater reiste nach Afrika und Asien, überall fand er alte Kultinstrumente, deren Klänge ihn faszinierten und mit denen er sein großes Schlagzeugorchester erweiterte und immer aufregender gestaltete. Heute können wir uns „Neue Musik“ kaum mehr ohne Schlagzeug vorstellen. Er war ein entscheidender Vorreiter auf diesem Weg. Orffs Klangbilder eröffnen völlig neue Musikwelten: In den bayerischen Astutuli stolpern die Bürger, begleitet von Steinspiel und Glasharfe ins Schlaraffenland, im christlichen Weihnachtsspiel irrt das Heilige Paar zu Guiro-Klängen durch die Winternacht; im griechischen Prometheus hetzt die kuhgehörnte Io mit Darabukka-Trommeln um den Globus. Instrumente und Themen bei Orff machen sein Oeuvre zum Welttheater.